Kann das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG) die Zuwanderung qualifizierter Arbeitnehmer aus dem Ausland steigern?

Zum 1. März 2020 ist in Deutschland das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, kurz FEG, in Kraft getreten (Gesetzestext). Dieses soll Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt erleichtern. Als Fachkräfte werden in diesem Zusammenhang neuerdings nicht mehr nur Akademiker, sondern auch Personen mit qualifizierter Berufsausbildung verstanden. Was bringt uns das Gesetz? Ist es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein oder eine wirkungsvolle Maßnahme, um dem Fachkräftemangel in Deutschland zu begegnen?

Zum Status Quo der Fachkräftelage in Deutschland

Zwar gibt es laut Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bisher keinen flächendeckenden Fachkräftemangel, jedoch fehlt es in zahlreichen Branchen und Regionen an qualifizierten Fachkräften und 55 % der Unternehmen geben Fachkräftemangel als ernstzunehmendes wirtschaftliches Risiko an.

Insbesondere betroffen sind:

  • Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege,
  • MINT-Bereich,
  • IT-Branche,
  • Kinderbetreuungssektor sowie
  • Baubranche und Handwerk

Weitere Zahlen und Informationen unter anderem in der KOFA-Studie sowie den Studien von Bertelsmann und DIHK.

Was das Fachkräfteeinwanderungsgesetz bewirken soll

Um nun ausländischen Arbeitnehmern den Zuzug nach Deutschland zu erleichtern, werden mit dem FEG ganz konkret folgende Neuerungen umgesetzt:

  1. Öffnung des Arbeitsmarktes für Fachkräfte mit einer anerkannten ausländischen beruflichen Qualifikation, nicht mehr nur für Fachkräfte mit akademischer Ausbildung.
  2. Beschleunigte Anerkennungs- und Visaverfahren
  3. Erleichterung bei der Arbeitsuche: Bei nachgewiesener fachlicher Qualifikation und Kenntnissen der deutschen Sprache wird für die Jobsuche in Deutschland eine Aufenthaltsgenehmigung für sechs Monate erteilt.
  4. Bessere Perspektiven für Fachkräfte, um sich langfristig in Deutschland niederzulassen
Fachkräfteeinwanderungsgesetz – die Maßnahmen im Überblick [Quelle: BMAS]

Vorbild Kanada?

Interessanterweise werden im Zusammenhang mit Regelungen zur Fachkräftezuwanderung immer wieder Kanada und sein Punktesystem bei der Einwanderung als Vorbild genannt.

Hierzu empfehle ich folgende Interviews:

  • Human Resources Manager im Gespräch mit Holger Bonin, Forschungsdirektor am IZA Institute of Labor Economics und Arbeitsmarktexperte
  • „Die Bundesregierung war zu ängstlich“ (Interview der WirtschaftsWoche mit Herbert Brücker, Ökonom und Leiter des Forschungsbereichs Migration, Integration und internationale Arbeitsmarktforschung beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung)

Kommentar zum FEG

Auch wenn das neue Gesetz aus meiner Sicht ein Schritt in die richtige Richtung ist, um Fachkräftezuwanderung nach Deutschland zu erleichtern – durch das Gesetz allein werden sich die Arbeitsmarktsituation und der momentane Fachkräftemangel sicherlich nicht in Größenordnung ändern.

Denn obwohl Deutschland für ausländische Studierende unter den beliebtesten Zielen ist, rangiert es für ausländische Fachkräfte laut einer OECD-Studie nur auf Rang 11. Auch in einer Befragung von InterNations (Expat Insider 2019) landet Deutschland insgesamt im Mittelfeld. Die deutsche Wirtschaft wird zwar als sehr stabil eingeschätzt und Arbeiten in Deutschland als sehr positiv wahrgenommen. Darüber hinaus kritisieren die Befragten jedoch vor allem die digitale Infrastruktur (WLAN, bargeldloses Zahlen etc.) sowie die schwierige Eingewöhnung (soziale Kontakte knüpfen, Freundlichkeit etc.) in Deutschland.

Expat Insider 2019, Deutschland-Report [Quelle: InterNations]

Da es heutzutage auf das Gesamtpaket (Leben, Arbeiten, Soziales, Freizeit etc.) ankommt, braucht es wohl mehr als ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG), um qualifiziertes Personal nach Deutschland zu locken und weitere Lösungsansätze sind zu diskutieren.

Was ist deine Meinung zu diesem Thema? Glaubst du, dass es durch das FEG mehr qualifizierte Fachkräfte nach Deutschland ziehen wird? Wie stark ist deine Branche vom Fachkräftemangel betroffen? Welche Lösungsansätze siehst du bzw. was wird in deiner Branche bereits erfolgreich umgesetzt?

Weitere Informationen

Video der Bundesagentur für Arbeit

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