Hotline zur Psychologischen Beratung in Corona-Krisenzeiten geschaltet

Ein weltweiter Ausnahmezustand, wie wir ihn aktuell erleben, geht an den meisten Menschen nicht spurlos vorbei. Während die einen in Krisenzeiten über sich hinauswachsen, werden bei anderen Ängste und Sorgen wach. Ein menschliches Grundbedürfnis in dieser Zeit: gegenseitiger Austausch und Kommunikation.

Viele Menschen telefonieren aktuell deutlich häufiger mit ihren Familien, Freunden und Kollegen. Manch einer ist jedoch auch auf der Suche nach psychologischer Unterstützung oder anonymer Beratung. Hierfür hat mein Berufsverband, der BDP (Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen), seit 24.03.2020 eine Hotline geschaltet.

Meine Kollegen und ich sind täglich von 8-20 Uhr kostenlos und anonym unter folgender Nummer erreichbar: 0800 777 22 44

Hier die offizielle Pressemitteilung des BDP:

BDP-Corona-Hotline: Psychologische Beratung in Corona-Krisenzeiten

24.03.2020

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP e.V.) bietet in den kommenden Wochen eine besondere Form der psychologischen Beratung an: die BDP-Corona-Hotline. Realisiert wird diese durch den ehrenamtlichen Einsatz der Mitglieder des BDP. Die Hotline (0800 777 22 44) ist täglich von 08:00 bis 20:00 Uhr geschaltet.

Die Maßnahmen der Bundesregierung anlässlich der Corona-Krise und die sich täglich überschlagende Berichterstattung gehen an keinem spurlos vorbei.

Obwohl es das Bedürfnis vieler Menschen ist, in Krisen zusammenzurücken, sollen wir uns nun in ‚social distancing‘ begeben. Alle werden lernen müssen, mit dieser neuen und befremdlichen Situation umzugehen und sie zu verarbeiten. Diese Reduzierung der Sozialkontakte kann für den Einzelnen eine hohe Belastung bedeuten. Dazu kommt die Angst vor einer Ansteckung oder die Befürchtung, vielleicht jemanden angesteckt zu haben. Die aktuelle Situation löst in der Bevölkerung Unsicherheit und Befürchtungen aus.

„Die Angst unter Kontrolle kriegen und Vernunft in Verhalten umsetzen: Das ist eine besondere Aufgabe! Und genau hier können wir als Berufsgruppe unterstützen. Daher stellen wir ab heute mit der BDP-Corona-Hotline ein Beratungsangebot besonderer Art zur Verfügung“, sagt Dr. Meltem Avci-Werning, Präsidentin des BDP. Sie betont, dass insbesondere die Ungewissheit über die Dauer dieses weltweiten Ausnahme-Zustandes eine große psychische Belastung für alle Menschen darstellt.

Das anonyme und kostenlose Angebot der BDP-Corona-Hotline ist ab heute täglich von 08:00 bis 20:00 Uhr unter der Nummer 0800 777 22 44 geschaltet.

Was macht dich glücklich und zufrieden?

Wie in jedem Jahr feiern wir am 20. März den Internationalen Tag des Glücks, der die Bedeutung von Glück und Wohlbefinden aller Menschen in den Mittelpunkt stellt. Die United Nations schreiben hierzu:

„The General Assembly of the United Nations in its resolution 66/281 of 12 July 2012 proclaimed 20 March the International Day of Happiness, recognizing the relevance of happiness and well-being as universal goals and aspirations in the lives of human beings around the world and the importance of their recognition in public policy objectives. It also recognized the need for a more inclusive, equitable and balanced approach to economic growth that promotes sustainable development, poverty eradication, happiness and the well-being of all peoples.“

Mehr zum Glück hatte ich bereits vor einiger Zeit einmal in diesem Beitrag zusammengefasst: Glück ist mehr als die Summe seiner Teile.

In den letzten Jahren haben sich verschiedenste Initiativen zum Ziel gesetzt, Menschen zu verbinden und jeden Einzelnen etwas glücklicher und zufriedener zu machen, allen voran das „Ministerium für Glück und Wohlbefinden“ sowie „Action for Happiness“.

In diesen Tagen und Wochen, die uns Menschen weltweit vor neue Herausforderungen stellen, bekommen Zeichen der Menschlichkeit, des Miteinanders, gute Kommunikation und Selbstfürsorge nochmals eine ganz andere Bedeutung. Denn wir alle können dazu beitragen, nicht nur uns selbst, sondern auch unsere Mitmenschen glücklicher zu machen.

Meine GlücklichSteine – eine Initiative vom „Ministerium für Glück und Wohlbefinden“

Während ich diese Zeilen schreibe, knallt und rumpelt es über meinem Kopf (kein Wunder bei den kanadischen Holzhäusern). Aufgrund der Schulschließungen sind natürlich auch meine Kinder zuhause und mein Mann und ich erproben gerade unsere persönliche Best Practice für eine Balance zwischen HomeOffice und Kinderbetreuung. Mein erster Impuls war es vorhin, mir meine Kopfhörer aufzusetzen, doch ich habe mich dafür entschieden, dass der fröhliche Kinderlärm genau das ist, was ich in diesem Moment beim Schreiben des Beitrags brauche.

Worüber bin ich ganz besonders am heutigen Tag glücklich und dankbar?

  • In den letzten Jahren hatten mein Mann, die Kinder und ich niemals so viel gemeinsame Zeit miteinander. Und obwohl es ein Balanceakt ist, Homeoffice und Kinderbetreuung miteinander zu vereinbaren, bin ich sehr froh, dass wir aktuell alle Vier hier beisammen sein können. Mein Mann reist dienstlich normalerweise vier Monate im Jahr und sollte gerade in Deutschland sein – er wäre wohl nicht rechtzeitig zurück nach Kanada gekommen und wir auf unbestimmte Zeit getrennt gewesen.
  • Das Sozialleben und einige Freiheiten sind momentan stark eingeschränkt, doch wir sind gesund, haben ausreichend Lebensmittel, einen Garten hinter dem Haus und einen Wald vor der Nase.
  • Auch wenn ich als Freiberufler momentan weder auf die deutsche noch auf die kanadische finanzielle Unterstützung während der Krise Anspruch habe und ich mir natürlich Gedanken über meine Auftragslage mache – wir sind durch den Job meines Mannes finanziell abgesichert und das ist in diesen Zeiten natürlich ein sehr beruhigendes Gefühl.
  • Der Zusammenhalt nicht nur mit der Familie und Freunden in Deutschland und Kanada, sondern auch der Austausch und die gegenseitige Unterstützung von Deutschen weltweit über Social Media, erfüllt mich jeden Tag mit großer Freude. Ich bin dankbar, dass uns die technischen Möglichkeiten eine solche „Nähe“ ermöglichen.

Nun bist du an der Reihe…

  • Was bedeutet Glück und Zufriedenheit für dich?
  • Welchen Einfluss hast du selbst darauf?
  • Wofür bist du heute ganz besonders dankbar?

Pass gut auf dich auf. Viele Grüße aus Kanada, Susan

Karriereplanung und Jobsuche in unsicheren Zeiten

Die Welt befindet sich im Ausnahmezustand. Lockdown von kompletten Ländern, Ausgangssperren und Selbstisolation. In diesen Wochen und Monaten schreiben wir Geschichte. Es stehen viele Fragen im Raum, auf die es aktuell noch keine Antworten gibt. Zumindest keine sicheren Antworten, denn hier betreten wir alle Neuland und müssen unsere ganz eigenen Erfahrungen sammeln.

In der Online-Beratung habe ich mit einer Klientin heute unter anderem über folgende Frage gesprochen:

„Macht es denn aktuell überhaupt Sinn, sich auf Stellen zu bewerben?“

Es ist eine berechtigte Frage, denn obwohl täglich neue Stellenangebote veröffentlicht werden (teilweise sind diese jedoch voreingestellt und automatisiert), drehen sich bei vielen Unternehmen die Mühlen aktuell langsamer.

Bei meiner Recherche fand ich in Online-Foren unterschiedliche Aussagen, denn vereinzelt wird dieses Thema bereits diskutiert:

„Nicht unbedingt aufgrund des Virus an sich, aber durch die ungewisse (v.a. wirtschaftliche) Entwicklung der nächsten Monate soll bei unserer Abteilung […] in nächster Zeit zurückhaltender eingestellt werden. Gestoppt wird der Prozess aber nicht.“

„Bei uns (US Konzern) wird ganz normal weiter eingestellt, aber alle Interviews werden nur noch über Telefon/Videochat durchgeführt.“

„Ich bin in einer ähnlichen Situation. Ich habe wohl richtig Schwein gehabt, dass ich meine Jobzusage zwei Wochen hatte, bevor es wirklich übel wurde. Ich fange nächste Woche an.“

„Würdet ihr also, unter den gegebenen Umständen jetzt einen Jobwechsel anstoßen, wenn er sich euch bietet? Nein. […] Du hast mehrere Nachteile: Verzögerte Einarbeitung, weil jemand in Quarantäne landet, im HomeOffice ist, die neuen Prozesse noch nicht richtig funktionieren, kein persönlicher Kontakt, schlechte Erreichbarkeit …“

(Beispiele aus Online-Foren)

Fakt ist: Natürlich wirkt sich die momentane Lage auf Bewerbungsprozesse, Jobwechsel und die Karriereplanung aus. Aktuell sollte man damit rechnen, dass sich Bewerbungsprozesse länger hinziehen können. Denn kein Unternehmen kann derzeit voraussagen, wie es sich wirtschaftlich weiterentwickeln wird, welche Auswirkungen die aktuelle Situation auf die Auftragslage und somit auch für das Personal hat.

Einige Anregungen aus meiner Erfahrung

Jobmessen und Firmenkontaktbörsen sowie Bewerbertage und Netzwerkveranstaltungen werden zunehmend verschoben bzw. abgesagt. Bewerbungsgespräche werden verschoben bzw. online durchgeführt. Mitarbeiter arbeiten von Zuhause, Absprachen dauern länger und Prozesse hierfür müssen erst noch optimiert werden. Entscheidungen zögern sich vermutlich hinaus.

Dennoch kann es sich lohnen, sich gerade jetzt mit der eigenen Jobsituation und Karriereplanung auseinanderzusetzen:

  1. In Gesprächen habe ich bemerkt, dass sich viele Menschen aktuell die gleiche Frage stellen und sich aus diesem Grund nicht bewerben. Das bedeutet: Wer jetzt eine Bewerbung abschickt, wird mit dieser vermutlich eher interessierte Personaler erreichen.
  2. Momentan findet ein Umbruch in der Arbeitswelt statt, Homeoffice wird salonfähig und neue Arbeitsmethoden werden entwickelt. Jetzt ist also eine Chance, sich umzuorientieren und die eigene Arbeit ganz anders mitzugestalten.
  3. Ich habe beobachtet, dass im Zusammenhang mit der Krise neue Stellen ausgeschrieben werden, z.B. in Wissenschaft und Forschung, Einzelhandel, Projektmanagement – auch der Weiterbildungssektor, Veranstaltungsmanagement, Schule und Bildung orientieren sich aktuell um. Das bedeutet, dass natürlich gerade jetzt auch Personal gesucht wird, das in diesen Bereichen unterstützen kann.
  4. Auch wer sich aktuell nicht bewerben, sich aber mittelfristig umorientieren möchte, kann diese Zeit gut nutzen: Recherche passender Unternehmen oder Organisationen, Netzwerkaufbau, die Überarbeitung des eigenen Lebenslauf und der Onlineprofile, neue Bewerbungsfotos erstellen, am Portfolio arbeiten und dieses erweitern, die eigene Website überarbeiten oder aufsetzen, einen Blog starten, eine Weiterbildung beginnen…

Um zur Ausgangsfrage dieses Beitrags zurückzukommen: Ich bin der Meinung, dass es durchaus sinnvoll ist, sich auch jetzt zu bewerben. Allerdings lohnt es sich momentan sicherlich, bei der Jobsuche um die Ecke zu denken, sich auch initiativ zu bewerben und neue Wege zu gehen.

Wie ich hierbei unterstützen kann?

Neben Coachings führe ich seit mehreren Jahren Karriereberatung durch – meistens online via Skype, WhatsApp oder E-Mail, dazu gehört:

  • Unterstützung beim Netzwerkaufbau und Selbstmarketing
  • Identifizierung persönlicher Werte, Ziele und Stärken
  • Suche nach geeigneten Stellen passend zu deinem Profil
  • Recherche passender Weiterbildungsmöglichkeiten
  • Lebenslauf-Check und Überarbeitung von Anschreiben

Sprich mich diesbezüglich gerne an oder schreibe mir an susan[at]karrierepfa.de.

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[Petition] Staatliche Finanzhilfen auch auf Freiberufler ausweiten

Aufgrund der aktuellen Gesundheitslage erhalten Freiberufler und Selbstständige (Künstler, Musiker, Veranstaltungstechniker, Trainer, Berater, Coaches, Fotografen, freie Autoren/Journalisten uvm.) zunehmend Absagen von Auftraggebern und Klienten.

Einblicke in einige dieser Geschichten gibt dieser Artikel im SPIEGEL.

Freiberufler stehen aktuell vor Verdienstausfällen, die teilweise existenzbedrohend sind und die nicht ausgeglichen werden können. Die zwei folgenden Petitionen sammeln Unterschriften, damit staatliche Finanzhilfen auch auf diese Berufsgruppen ausgeweitet werden.

Ich freue mich über alle, die mit ihrer Unterschrift unter einer oder beider Petitionen dazu beitragen, dass das Thema eine größere Aufmerksamkeit bekommt.

Darüber, wie das Coronavirus unseren Berufsalltag und unser Leben verändert, hatte ich bereits gestern berichtet.

Wie das Coronavirus unseren Berufsalltag und unser Leben verändert

Einige Worte zu den Auswirkungen des Coronavirus weltweit, zu gesetzlichen Regelungen der Berufstätigkeit sowie zur Psychologie der Pandemie.

Letzte Nacht hat mich ein Sturm wachgehalten – und damit meine ich nicht die Unruhe in der ganzen Welt aufgrund der COVID-19-Pandemie, sondern einen so starken Wind, der unser kanadisches Holzhaus in allen Ecken und Kanten zum Knacken brachte. Aber während ich wach im Bett lag und dem Sturm lauschte, dachte ich über die aktuelle Situation und die Konsequenzen nach…

Mittlerweile schließen in fast allen deutschen Bundesländern Schulen und Kindereinrichtungen. Museen bleiben zu, außerdem werden Messen, kulturelle Veranstaltungen, Sportereignisse und Versammlungen abgesagt. Nachdem es in Kanada noch sehr ruhig und entspannt zuging, überschlagen sich in den letzten Tagen nun auch hier die Nachrichten und Entwicklungen zum aktuellen Coronavirus (COVID-19), die von der Weltgesundheitsorganisation am 11. März 2020 offiziell zur Pandemie erklärt wurde.

In Kanada war zuletzt bekannt geworden, dass Sophié Gregoire, die Ehefrau des kanadischen Premierministers Justin Trudeau, nach ihrer Rückkehr aus Großbritannien positiv auf COVID-19 getestet wurde und sich das Ehepaar daraufhin in Selbstisolation begeben hat. Trudeau regelt nun also die Politik im Homeoffice und hält Videokonferenzen in den eigenen vier Wänden ab. Dies ist nur eines von vielen Beispielen, an dem deutlich wird, dass keine Berufsgruppe von der aktuellen Krise ausgenommen ist.

Aus meiner Sicht sind insbesondere Mitarbeiter im Gesundheitswesen (Ärzte, Zahnärzte, Pfleger, Physiotherapeuten, Apotheker) einem Risiko ausgesetzt sowie alle weiteren Berufsstände, die im direkten Kontakt mit vielen unterschiedlichen Menschen stehen (Mitarbeiter im Einzelhandel, Lehrer und Erzieher, Friseure und Kosmetiker etc.).

Ich habe mich gefragt, wie sich die Lage auf deutsche Berufstätige auswirkt und durch welche Gesetze sie in der momentanen Situation abgesichert sind. Hier einige wichtige Fragen und Antworten:

FAQ: Regelungen zur Berufstätigkeit während der angespannten Gesundheitslage

Ich habe Angst, mich anzustecken. Darf ich zuhause bleiben?

„Nein. „Arbeitnehmer haben kein Recht, präventiv zu Hause zu bleiben, nur weil sie sich vor einer Ansteckung fürchten“, sagt Esther Dehmel, Fachanwältin für Arbeitsrecht bei der Wirtschaftskanzlei CMS Hasche Sigle. Mitarbeiter können auch nicht einfach im Homeoffice bleiben, weil es hierzulande kein Recht auf Heimarbeit gibt. Andersherum darf der Betrieb auch nicht einfach die Heimarbeit verordnen.

Was gilt, wenn ein Kollege erkrankt ist? Angestellte, die mit erkrankten Kollegen in Kontakt gekommen sind, sollten sich ärztlich untersuchen lassen. Bis das Ergebnis feststeht, können sich diese Mitarbeiter freistellen lassen – und werden weiter entlohnt.“ [Quelle: Handelsblatt, Zugriff am 13.03.2020]

Habe ich ein Recht darauf, im Homeoffice zu arbeiten?

Hierfür gibt es keine gesetzliche Grundlage in Deutschland. Allerdings können individuelle Regelungen mit dem Arbeitgeber vereinbart werden. Immer mehr Unternehmen rufen mittlerweile dazu auf, von zuhause zu arbeiten.

Mein Unternehmen schließt, bekomme ich trotzdem weiterhin mein Gehalt?

„Im Hinblick auf die Entgeltfortzahlung gilt, dass der Arbeitgeber grundsätzlich weiter zur Entgeltzahlung verpflichtet bleibt, wenn die Arbeitnehmer arbeitsfähig und arbeitsbereit sind, aber er sie aus Gründen nicht beschäftigen kann, die in seiner betrieblichen Sphäre liegen (sog. Betriebsrisikolehre, § 615 Satz 3 BGB). Dazu würden etwa Fälle zählen, in denen es aufgrund von COVID-19-Erkrankungen zu erheblichen Personalausfällen oder Versorgungsengpässen käme, in deren Folge der Arbeitgeber die Betriebstätigkeit vorübergehend einstellen würde. Die Arbeitnehmer behalten also in diesen Fällen ihren Entgeltanspruch, auch wenn sie nicht arbeiten können.“ [Quelle: BMAS, Zugriff am 13.03.2020]

Ich muss in Quarantäne gehen, bekomme ich trotzdem mein Gehalt?

„Wer im Homeoffice arbeiten kann, ist durch eine häusliche Quarantäne nicht eingeschränkt – und bekommt sein Gehalt. Diejenigen aber, die auf die Arbeit im Unternehmen angewiesen sind, hätten zwar keinen arbeitsvertraglichen Anspruch auf ihren Lohn, erklärt Björn Otto, Partner bei CMS Hasche Sigle. Allerdings müsse der Arbeitgeber den Betroffenen nach dem Infektionsschutzgesetz sechs Wochen lang eine Entschädigung in Höhe des Verdienstausfalls zahlen. Am Ende also bekommen Mitarbeiter ihr Geld. „Dauert die Quarantäne allerdings länger als sechs Wochen, wird die Entschädigung nur noch in Höhe des Krankengeldes gewährt“, sagt Otto. Das gilt allerdings nur für fest angestellte Mitarbeiter, Freiberufler haben das Nachsehen.“ [Quelle: Handelsblatt, Zugriff am 13.03.2020]

Die Kita bzw. Schule meiner Kinder hat geschlossen. Was heißt das für mich, kann ich mit ihnen zuhause bleiben?

„Unter bestimmten Bedingungen ist das für eine kurze Zeit möglich, mit Lohnfortzahlung. Grundlage dafür ist § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs („vorübergehende Verhinderung“). Eltern müssen vorher intensiv geprüft haben, ob es eine andere Möglichkeit der Betreuung gibt. Dazu muss man auch das anstehende Wochenende nutzen. Ein praktisches Problem dabei könnte werden, dass viele Familien in Notfällen gerne auf die Großeltern zurückgreifen würden, aktuell aber vom Kontakt mit den Enkeln abgeraten wird. Ältere Menschen gehören zur Risikogruppe für das neuartige Coronavirus. Findet man auf die Schnelle überhaupt keine Betreuung, dürfen Arbeitnehmer für wenige Tage zu Hause bleiben und bekommen weiter Lohn gezahlt. Wichtig ist aber: Das ist auf keinen Fall eine Dauerlösung. In jedem Fall sollte man seinen Arbeitgeber informieren, wenn man spontan nicht zur Arbeit kommen kann – und prüfen, ob im Arbeits- oder Tarifvertrag die Rechte von § 616 vielleicht ausgeschlossen wurden. Das ist zumindest möglich.

Und was können Eltern auf längere Sicht tun? Sie sollten dann verschiedene Möglichkeiten prüfen. Kann ich bezahlten Urlaub nehmen? Wenn das nicht geht oder zu wenig Urlaubstage da sind: Kann ich unbezahlten Urlaub nehmen? Oder kann ich vielleicht von zu Hause aus arbeiten? Homeoffice würde natürlich bedeuten, zu Hause auch wirklich zu arbeiten, womöglich zu flexibleren Zeiten als im Büro. All diese Dinge sollte man unbedingt mit dem Arbeitgeber besprechen und nach einvernehmlichen Lösungen suchen.“ [Quelle: Tagesschau, Zugriff am 13.03.2020]

Auswirkungen der Coronavirus-Krise auf Freiberufler und Selbstständige

Die Bundesregierung hat bereits angekündigt, Unternehmen mit Liquiditätshilfen und Stundung von Steuern, Finanzhilfen, Kreditprogrammen oder auch Kurzarbeitergeld zu unterstützen.

Doch was ist mit Freiberuflern und Selbstständigen, die zum Beispiel als Schauspieler, freie Autoren, Trainer, Coaches oder Fotografen ihren Lebensunterhalt verdienen und denen nun zahlreiche Aufträge ersatzlos wegfallen?

Welche Hilfen und Unterstützungen gibt es für diese Berufsgruppen? Bisher habe ich hierzu keine aussagekräftigen Informationen gefunden.

David Erler, ein freiberuflicher Sänger aus Leipzig, hat aus diesem Grund am 11. März 2020 eine Petition zur Unterstützung von Freiberuflern und Künstlern während des Corona-Shutdowns gestartet, die bereits von 70.090 Menschen unterzeichnet wurde (Stand: 13.03., 15:59 Uhr MEZ). Er schreibt hierzu

„Aufgrund dieser Freiberuflichkeit leben viele dieser Künstlerinnen und Künstler (Sänger, Instrumentalistinnen, Veranstaltungs- und Bühnentechniker, Fotografinnen, Filmkünstler, freie Autorinnen und Autoren und Journalisten etc., aber letztlich jeder freiberuflich Tätige, von der Tagesbetreuung bis hin zu vielen MitarbeiterInnen in Museen und Gedenkstätten; siehe Schlussbemerkung) ohnehin am Rand des Existenzminimums, aber durch die derzeitige massenhafte Absage von Veranstaltungen drohen sie über diesen Rand gestoßen zu werden. Dabei greifen auch nicht die gesetzlichen Regelungen für den Verdienstausfall. Diese treffen nur zu, wenn man selbst in Quarantäne muss. Wie bei allen anderen Menschen laufen aber Rechnungen und Verbindlichkeiten uneingeschränkt weiter, muss Miete, Strom, Lebensunterhalt und vieles mehr gezahlt werden, hängen oftmals auch ganze Familien an diesem nun wegfallenden Einkommen. Ich fordere daher von der Bundes- und den Landesregierungen, sich bei den angedachten Finanzhilfen und Unterstützungen nicht nur auf Unternehmen und Firmen sowie deren Angestellte zu konzentrieren, sondern vor allem auch die mitunter wesentlich prekärere Lage der o.g. Freiberufler/Kunstschaffenden zu berücksichtigen, die Finanzhilfen mithin ausdrücklich auch auf diese auszuweiten, und dies so unbürokratisch wie möglich. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen sind nicht in der Lage, ohne weiteres einen oder zwei Monate ohne Einnahmen zu überbrücken, wie dies in der gegenwärtigen Lage jedoch vonnöten sein könnte.“

Auswirkungen der Krise auf Expatriates und Auswanderer weltweit

In vielen Ländern gibt es mittlerweile Ein- und Ausreiseverbote bzw. Reisewarnungen oder geschlossene Grenzen. Ich habe in den letzten Tagen von vielen abgesagten und verschobenen Reisen gehört. Für Familien, die im Ausland leben, bedeutet das weniger Kontakt zu ihren nächsten Angehörigen im Heimatland und umgedreht natürlich auch, keinen Besuch aus der Heimat empfangen zu können.

Viele internationale Familien können derzeit im Not-, Todes- oder Krankheitsfall nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen zu ihren Familien reisen. Familien weltweit sind getrennt, weil die Partner von Dienstreisen oder Heimaturlauben aktuell nicht zurückreisen können bzw. die Familien bewusst entschieden haben, dass ein Teil der Familie zurück ins Heimatland geht.

Natürlich finde ich diese Reiseeinschränkungen gut und richtig, um die Verbreitungskurve der Erkrankung abzuflachen. Dennoch möchte ich diese zahlreichen Einzelschicksale nicht unerwähnt lassen, da sich viele internationale Familien neben den aktuellen Einschränkungen durch die Gesundheitslage mit weiteren emotionalen Belastungen auseinandersetzen müssen.

Die Psychologie der Pandemie 2020 – ein Kommentar

Die aktuelle Lage ist für alle Menschen weltweit herausfordernd und bringt uns sicherlich ein stückweit an unsere Grenzen. Ich bin überzeugt davon, dass wir durch diese Pandemie viel dazulernen werden – persönlich, aber auch gesellschaftlich. Und ich wünsche mir, dass wir als Folge stärker zusammenrücken und nicht auseinanderdriften.

Aktuell beobachte ich viele sozialpsychologische Phänomene (Hamsterkäufe, Panikmache…) und als Psychologin mache ich dafür eine starke Angst von Menschen verantwortlich. Angst – eine natürliche Schutzreaktion bei realen oder angenommenen Bedrohungen – kann in unbekannten Situationen zu einem Gefühl des Kontrollverlusts führen. Doch wir Menschen wollen Kontrolle über unser eigenes Leben haben, denn das gibt uns das Gefühl, bestimmte Ereignisse vermeiden oder beeinflussen zu können.

So kann man also beispielsweise die zahlreichen Panikkäufe, die sich gestern nun auch in meinem Wohnort ereigneten, darauf zurückführen, dass Menschen in der sich aktuell stündlich verändernden Lage zumindest einen Teil ihrer Kontrolle zurückgewinnen wollen und somit die empfundene Angst bzw. Ungewissheit ein stückweit kanalisieren können.

Meinungen, Kommentare oder Hinweise?

Wie beeinflusst die aktuelle Pandemie deinen Berufsalltag und dein Leben allgemein? Welche Einschränkungen hast du dadurch bereits erfahren und wie gehst du damit um? Ich freue mich über deine Anmerkungen.

Pass auf dich auf! Viele Grüße aus Kanada, Susan

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels hatte ich geschrieben, dass einige Bundesländer Schulen schließen, mittlerweile haben sich fast alle Bundesländer zu diesem Schritt entschlossen.

Mariam Ottimofiore: „Unser Erfolg im Ausland ist nicht abhängig vom Wohnort, sondern von unserem persönlichen Mindset“

Im Alter von 19 Jahren verließ Mariam Navaid Ottimofiore mit einem one-way Ticket nach Boston ihre pakistanische Heimat Karatschi. Seitdem hat sie in neun verschiedenen Ländern auf vier Kontinenten gelebt. Mit ihrem deutsch-italienischen Ehemann und ihren beiden Kindern, deren Geburtsorte 4.800 Kilometer voneinander entfernt liegen, wohnt sie derzeit in Accra, Ghana.

Ich freue mich sehr, dass sie sich die Zeit für ein Interview genommen hat. Wir sprachen über Multikulti, Zufriedenheit und persönliches Wachstum, aber auch über Herausforderungen und Gefahren im Ausland.

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Kann das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG) die Zuwanderung qualifizierter Arbeitnehmer aus dem Ausland steigern?

Zum 1. März 2020 ist in Deutschland das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, kurz FEG, in Kraft getreten (Gesetzestext). Dieses soll Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt erleichtern. Als Fachkräfte werden in diesem Zusammenhang neuerdings nicht mehr nur Akademiker, sondern auch Personen mit qualifizierter Berufsausbildung verstanden. Was bringt uns das Gesetz? Ist es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein oder eine wirkungsvolle Maßnahme, um dem Fachkräftemangel in Deutschland zu begegnen?

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Was lehrt dich die „Parabel von den zwei Wölfen“?

Vor einigen Monaten habe ich eine Geschichte gelesen, die ich gern mit dir teilen möchte: „Die Parabel von den zwei Wölfen“. Im Internet kursieren unterschiedlich lange Versionen davon. Da der Verfasser unbekannt ist, konnte ich die originale Version nicht herausfinden. Ich habe dir daher meine Lieblingsfassung aufgeschrieben:

Die Parabel von den zwei Wölfen

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Fast 3,5 Millionen Deutsche leben im Ausland (Quelle: DIA) und wie in jedem Jahr kommt besonders in den Sommermonaten viel Bewegung in das internationale Leben. Das ist dann auch die Zeit, in der viele Familien wieder nach Deutschland zurückkehren. Spätestens im Frühjahr beginnen die ersten Umzugsvorbereitungen und erfahrungsgemäß tauchen dann die meisten Fragen auf: Wie gestalten wir einen möglichst reibungslosen Umzug? Wie holen wir die Kinder mit ins Boot? Wie schwer wird uns der Abschied fallen? Wie gestalten wir die erste Zeit zurück in Deutschland? Die Entsandten äußern allerlei Hoffnungen zu ihrem Wiedereinstieg beim alten Arbeitgeber, ihre Partner wiederum denken gegebenenfalls über die berufliche Neuorientierung nach.

Vor einiger Zeit häuften sich Fragen wie diese nicht nur in meinen Email-Postfächern und in Gesprächen mit Kunden, sondern auch in diversen Expat-Netzwerken (z.B. Expatmamas oder Weltfrauen). Mit diesem Dossier (inklusive Download) möchte ich nicht nur auf die Chancen und möglichen Herausforderungen aufmerksam machen, sondern ebenfalls konkrete Tipps und hilfreiche Ressourcen teilen. Sowohl Rückkehrer als auch Familien und Freunde zuhause finden darin hoffentlich wertvolle Impulse.

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Kleine Weltenbummler – Kinder zwischen zwei Welten

Als mein Mann und ich 2016 die Anfrage erhielten, für eine Zeit nach Kanada zu ziehen, war unsere Tochter zwei Jahre alt. Ich wollte mit ihr Bücher über den Umzug ins Ausland lesen, um sie auf das Thema vorzubereiten. Allerdings fand ich kein passendes deutsches Kinderbuch.

Nach unserem Look and See-Trip gestaltete ich damals kurzerhand ein Bilderbuch für sie und nahm mir fest vor, das fehlende Kindebuch selbst zu schreiben. Was daraus geworden ist und wie du mich dabei unterstützen kannst? Das erfährst du hier:

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