Es ist ok, wenn du momentan einfach nur deinen Alltag wuppen willst…

Seit Beginn der Physical Distancing-Maßnahmen stoße ich in der Social Media-Blase täglich auf neue Online-Kurse, Selbstoptimierungsangebote, Liveschaltungen oder Motivationssprüche nach dem Motto „Nutze die gewonnene Zeit, erfinde dich neu und bilde dich weiter.“

Für mich ist das eine verzerrte Widerspiegelung der Realität.

Viele meiner Gesprächspartner versuchen aktuell, irgendwie den Balanceakt zwischen Arbeit und Kinderbetreuung zu meistern. Sie fühlen sich von der Situation überrollt und teilweise auch überfordert. Sie sind motivationslos und nicht wirklich produktiv im Homeoffice. Gefühlt kommt entweder die Arbeit zu kurz oder die Kinder oder beides. Ziel ist es, alles irgendwie unter einen Hut zu bringen. Zeit für ausgiebige Selbstoptimierung und Weiterbildung bleibt hier schlichtweg nicht.

Ich finde es zwar einerseits bewundernswert, wie viele hilfreiche Online-Angebote quasi über Nacht geschaffen werden. Andererseits beobachte ich es mit Sorge, denn ich spüre den Druck, den es auf meine Mitmenschen ausübt. Einerseits auf viele meiner Kollegen, die nachziehen, weil sie Angst haben, dass ihnen die Kunden weglaufen. Andererseits aber auch auf jeden einzelnen Menschen, der einfach nur versucht, seinen Alltag zu meistern. Der momentan vielleicht gar nicht die Kraft, Zeit oder Motivation dazu hat, an sich selbst zu arbeiten.

Auch ich gehöre zu den Menschen, die aktuell mehrere Bälle in der Luft jonglieren und hoffen, dass keiner runterfällt. Mein Mann und ich haben uns auf ein Schichtsystem geeinigt. Einer arbeitet vormittags, während der andere sich um die zwei Wirbelwinde (unsere 2,5 und 6-jährigen Töchter) kümmert. Nachmittags ist es dann umgedreht. Es klappt nicht perfekt, aber es läuft. Irgendwie.

Langeweile kommt hier definitiv nicht auf. Ich verschiebe bereits Projekte nach hinten, weil ich weiß, dass ich momentan nicht dazukomme. Aber das ist okay. Viel wichtiger ist es mir, dass ich nach wie vor für die Menschen da sein kann, die Gesprächsbedarf haben, auf der Suche nach psychologischer Beratung, Austausch und Coaching sind.

Und ich merke, wie sich die Fragestellungen meiner Gesprächspartner verändert haben: Wie finde ich eine Balance zwischen Job und Kinderbetreuung zuhause? Wie kann ich produktiv sein? Soll ich jetzt wirklich nach einem neuen Job suchen, wie ich es geplant hatte? Bleiben wir im Ausland oder gehen wir (vorzeitig) zurück nach Deutschland? Meine Pläne für dieses Jahr sind alle hinfällig, wie soll ich jetzt überhaupt neu planen? …?

Bei vielen meiner Gesprächspartner mischen sich Hoffnung und Zuversicht mit Unsicherheit und auch Sorgen. In vielen Köpfen herrscht Ratlosigkeit. Und natürlich habe auch ich nicht die Antworten auf alle Fragen. Aber ich helfe dabei, Gedanken zu strukturieren, Pläne zu schmieden oder zu modifizieren und neue Ziele zu setzen.

Es ist okay, wenn du aktuell einfach nur deinen Alltag meistern willst und dir die Motivation für neue Projekte fehlt. Es ist genauso okay, wenn du gerade vor Tatendrang sprudelst und dich voller Energie in neue Aufgaben stürzt. Jeder geht anders mit der aktuellen Situation um. Wichtig ist, dass du deinen individuellen Weg findest, damit umzugehen.

Wie geht es dir zurzeit? Was beschäftigt dich? Wie kann ich dich dabei unterstützen?

Ich habe ein offenes Ohr und bin für dich da, Susan

P.s.: Vor wenigen Wochen hatte ich auf Instagram und Facebook ein Lied geteilt, das seit einigen Jahren mein musikalischer Wegweiser bei Umbrüchen und Veränderungen ist: Andreas Bourani „Auf uns“. Daraufhin hatten mir einige Leser_innen verraten, welche Lieder sie motivieren. Hier die Liste, vielleicht trägt dich eines dieser Lieder durch die aktuelle Zeit:

Clueso „Neuanfang“

Mark Forster „Sowieso“

Tim Bendzko „Hoch“

Mark Forster „Wir sind groß“

Juli „Die Perfekte Welle“

Gart Brooks „Unanswered Prayers“

Silbermond „Leichtes Gepäck“

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