Wie du herausfindest, was dir wichtig ist – Übung zu Werten

Egal, welchen Job du ausübst, welches Karriereziel du anstrebst oder wo auf der Welt du gerade versuchst, deinen Platz zu finden… Mit Freude und Engagement wirst du deine Ziele nur dann verfolgen, wenn sie mit deinen inneren Werten übereinstimmen. Eine kurze Übung, wie du deine wichtigsten Werte identifizierst, stelle ich dir in diesem Beitrag vor.

Werte beeinflussen unsere Zufriedenheit

Wie alle Menschen hast auch du individuelle Wertvorstellungen, nach denen du dein Leben ausrichtest. Oftmals erfolgt dies unbewusst. Die meisten meiner Klienten kommen ins Stocken, wenn ich sie danach frage, was ihnen wirklich wichtig ist. Sie kennen ihre Werte nicht oder können sie nicht in Worte fassen.

Das kann zum Problem werden, wenn die eigentlichen Werte nicht zum angestrebten Ziel passen. Für die berufliche Orientierung und die eigene Karriereplanung ist es also wichtig, sich mit dem inneren Wertesystem auseinanderzusetzen.

Kein Wertesystem gleicht dem anderen

Ein Teil unserer Werte überschneidet sich mit denen anderer Personen, doch keine Werteliste wird zu 100 % identisch sein.

Mir zum Beispiel sind folgende Werte wichtig:

Vielleicht wird der ein oder andere Wert ebenfalls in deiner Liste auftauchen, während dir andere nicht so wichtig sind.

Wie kommst du nun zu deiner eigenen Werteliste?

Schritt 1: Notiere dir 20 wichtige Werte

Wenn du im Internet nach „Werte“ suchst, so wirst du viele unterschiedlich lange Wortlisten finden. Ich habe dir hier 60 typische Werte aufgelistet, die du gerne noch ergänzen kannst:

Notiere dir untereinander 20 Werte. Schreibe Werte auf, die dir persönlich wichtig sind und die in dir ein positives Gefühl wecken bzw. etwas in dir auslösen. Mache dich frei von Werten, die möglicherweise von anderen erwartet werden. Hier geht es um dich.

Schritt 2: Bilde eine Rangliste

Nun vergleichst du die aufgelisteten Werte systematisch miteinander. Hierfür kannst du unterschiedlich vorgehen:

  • Variante a) Schreibe die Werte auf 20 Karteikärtchen, die du flexibel hin- und herschieben kannst, so kannst du der Reihe nach eine Rangfolge erstellen.
  • Variante b) Notiere die Werte in einem Worddokument und schiebe diese hin und her.
  • Variante c) Mache Punkte hinter jedem Wert, wenn er dir wichtiger ist als der, mit dem du ihn gerade vergleichst. Hinter jedem Wert wirst du unterschiedlich viele Punkte sammeln. Die Werte mit den meisten Punkten sind dir am wichtigsten.

Egal, welche Variante du wählst, das Ergebnis wird eine Rangliste deiner Werte sein.

Schritt 3: Reflektiere deine wichtigsten Werte

Betrachte nun die drei bis fünf wichtigsten Werte und hinterfrage sie intensiv:

  • Welche Gefühle lösen sie in dir aus?
  • Warum ist dir dieser Wert wichtig? Was macht er mit dir?
  • Zu welchem Ausmaß ist dieser Wert in deinem Leben erfüllt?
  • Welche Konsequenz haben diese Werte für dein Leben?
  • Auf welche Werte bist du stolz?
  • usw.

Nutze die Erkenntnisse für deine zukünftigen Ziele

In der Beratung ist es mir sehr wichtig, gemeinsam mit den Klienten Werte zu identifizieren und reflektieren. Denn im Zusammenspiel mit der bisherigen Lebenserfahrung, der beruflichen Expertise und individuellen Stärken sind Werte gute Anhaltspunkte dafür, welche Ziele du gegebenenfalls weiterverfolgen solltest oder wie du künftig Entscheidungen triffst.

Wichtig: Das hier vorgestellte Verfahren ist lediglich zum Selbstcoaching gedacht und ersetzt keine Beratung durch Experten.

Du hast eine Liste deiner Werte erstellt und weißt nicht, wie dir das weiterhelfen soll? Melde dich gern und gemeinsam finden wir eine Lösung.

Viele Grüße aus Kanada, Susan

P.s.: Sind wir bereits vernetzt? Folge mir gern auf Instagram oder Facebook.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Was fühlen wir, wenn wir ein Foto aus unserer Kindheit betrachten? Welche Emotionen und Gedanken werden dabei wach? Sind wir noch dieselbe Person wie auf diesem Bild oder wie haben wir uns verändert? Was passiert in uns, wenn ein Fotoapparat auf uns gerichtet ist? Sich selbst „sehen“, Gedanken sichtbar machen oder Veränderungen visualisieren… Die Möglichkeiten für den Einsatz von Fotografie im Coaching sind nahezu unbegrenzt.

Fotos frieren Momente ein

Seitdem ich denken kann, ist Fotografie ein wichtiger Teil meines Lebens. Nicht nur, dass es viele Kinderfotos von mir gibt – mit 12 Jahren kaufte ich meine erste Kamera. Ich begann mit Streetfotografie, doch schnell rückte der Mensch immer mehr in meinen Fokus und mit Anfang 20 widmete ich mich der Portraitfotografie.

Den zahlreichen Fotoshootings, die ich seither hatte, ist eines gemeinsam: die Portraitierten zeigten sich offener, gefühlvoller, reflektierter und ehrlicher. Vor der Kamera ist man verletzlicher und gibt mehr von sich selbst preis. Je häufiger ich in den vergangenen Jahren über die Wirkung von Fotos nachdachte, desto stärker wurde mein Wunsch, Psychologie, Fotografie und Coaching miteinander zu verbinden.

Aus der Praxis…

Vor einigen Jahren kam eine Frau auf mich als Fotografin zu. Sie erzählte mir, dass sie sehr viel abgenommen habe und sich dadurch nicht nur ihr Selbstbild, sondern auch die Außenwahrnehmung durch ihren Mann verändert habe. Sie sei verunsichert, könne ihre Wirkung nicht mehr richtig einschätzen und wolle sich selbst, aber auch ihrem Partner zeigen, dass sie immer noch die Gleiche sei.

Was als reiner Fotoauftrag begann, war so viel mehr. Es war das erste Mal, dass ich – damals noch unbewusst – Fotografie und Psychologie miteinander vereinte.

Wir fotografierten zwei Stunden lang und ich zeigte meiner Kundin währenddessen ab und zu die Fotos, die wir bereits „im Kasten“ hatten. Wir sprachen miteinander über Identität, Selbstbild, Fremdwahrnehmung und Ziele. Im Laufe des Shootings merkte ich, wie meine Kundin immer mehr auftaute, sich freier bewegte und mehr aus sich herausging. Dieses Beispiel zeigt deutlich, wieviel Potential in der Fotografie steckt.

Die Kraft der Fotografie

Mit der Kamera können wir so viel mehr, als nur Momente festhalten. Fotos

  • wecken Gedanken und Emotionen bzw. helfen uns dabei, uns zu erinnern,
  • funktionieren ohne Sprache und lassen Interpretationen zu,
  • halten die Zeit an und erlauben Rückblenden,
  • geben Gedanken eine Sprache, wenn uns die Worte fehlen,
  • können inspirieren, motivieren und anregen,
  • halten uns einen Spiegel vor und ermöglichen Perspektivwechsel,
  • schaffen eine Verbindung zwischen Menschen und
  • können unbewusste, innere Bilder nach außen sichtbar machen.

Mich verwundert diese Kraft von Fotos nicht. Die Entwicklungspsychologie lehrt uns, dass wir in unseren frühen Lebensjahren Erinnerungen und Gedanken in Bildern abspeichern. Je ausgeprägter unsere Sprache allerdings wird, umso mehr verknüpfen wir Erfahrungen mit Worten. Doch das bildliche Denken, das visuelle Wahrnehmen und Verknüpfen steckt tief in uns. Warum also sollte die Kraft der Bilder nicht auch im Coaching ihre Wirksamkeit entfalten?

Raus aus der Komfortzone, rein in die Komfortzone

Alle sagen immer, man müsse raus aus der Komfortzone, um sich selbst zu erfahren. Doch um Fotografie wirkungsvoll im Coaching einzusetzen, ist mir persönlich das genaue Gegenteil wichtig. Ich möchte, dass sich mein Kunde wohlfühlt, und bewege mich daher ganz bewusst in seiner Komfortzone. Fotografie setze ich im individuellen Coaching erst dann ein, wenn ein Vertrauensverhältnis aufgebaut ist. Zunächst möchte ich verstehen, wie mein Gegenüber „tickt“.

Hilfreich beim Einsatz von Fotografie ist natürlich, dass vor allem die jüngeren Generationen regelmäßig Fotos nutzen, um zu kommunizieren, sich auszudrücken, kreativ auszuleben oder selbst darzustellen. Da heutzutage nahezu jeder über eine Digitalkamera bzw. ein Handy mit integrierter Kamera verfügt, ist uns Fotografie vertraut und somit ein leicht zugängliches Medium.

Bei der Arbeit mit Klienten flechte ich Fotografie hauptsächlich in drei verschiedenen Varianten ein:

1. Analyse von bereits vorhandenem Bildmaterial

Motive sind beispielsweise Kinderfotos, Fotos von Meilensteinen, Businessporträts, Fotos aus dem Arbeitsalltag, Familienfotos etc. Anhand dieser Fotos führen wir unter anderem Biografiearbeit durch, analysieren die Geschichte und Emotionen hinter dem Foto oder leiten Fragestellungen bzw. Zielsetzungen für die Zusammenarbeit ab.

2. Der Klient vor der Kamera

Je nach Fragestellung fotografiere ich den Klienten in unterschiedlichen Settings (privates / berufliches Umfeld, Studio, Natur etc.). Dies ist eine Möglichkeit zur Selbsterfahrung und zur Erforschung der eigenen Identität, zum Abgleich von Selbst- und Fremdwahrnehmung, zur Stärkung des Selbstbewusstseins oder zum Training der Selbstpräsentation. Eine äußerst spannende und sehr persönliche Variation hiervon sind Selbstporträts, in denen der Klient gleichzeitig vor und hinter der Kamera steht.

3. Der Klient als Fotograf

Entweder frei oder anhand von vorher erarbeiteten und besprochenen Fotoaufträgen hält der Klient Momente, Objekte oder andere Personen mit der Kamera fest. So kann beispielsweise der Alltag, Konfliktsituationen, Ziele oder Veränderungen visualisiert und in der nächsten Sitzung reflektiert werden.

Inspirationen aus der Fototherapie

Interessierten Lesern möchte ich an dieser Stelle die Bücher „Fototherapie“ (Claire Craig) sowie „Phototherapy Techniques“ (Judy Weiser) ans Herz legen, in denen vielfältige Hintergründe und inspirierende Übungen zum Einsatz von Fotografie in der therapeutischen Arbeit vorgestellt werden.

Obwohl oder gerade weil viele Übungen aus der therapeutischen Arbeit stammen, sind sie wunderbar auf die Coachingpraxis übertragbar. Mit meinen eigenen Kunden habe ich in der Vergangenheit damit sehr positive Erfahrungen gemacht.

Über den Tellerrand geblickt

Trotz ihres enormen Potentials wird Fotografie im Coaching und in der Beratung jedoch bisher nur vereinzelt eingesetzt. Hier einige Beispiele von Kollegen unterschiedlicher Disziplinen:

  • Dr. Katharina Stenger legt den Fokus auf das Modell stehen vor der Kamera. Sie fotografiert nicht selbst, sondern arbeitet in einem foto-psychologischen Training gemeinsam mit Fotomodellen an deren Selbstbewusstsein und Selbstwert.
  • Fototrainer Georg Schraml leitet zu Meditativer Fotografie an, bei der es nicht um das perfekte Fotomotiv geht, sondern darum, Motive achtsam und mit allen Sinnen wahrzunehmen, erst danach zu fotografieren und dabei zu entspannen.
  • Coach Ilona Holtschmidt hat das Konzept Fototelling® entwickelt, bei dem sich der Klient durch selbst erstellte Fotografien (eigene Fotogeschichte) ein „Bild macht“ und diese im Coaching zur vertieften Reflexion nutzt.
  • Designerin Sylvie Gagelmann fotografiert ihre Kunden in einzigartigen Outfits, Hüten oder mit anderen Requisiten, um spielerisch und mit Freude neue Ideen über das zu entwickeln, was man selbst ist und alles sein kann.

Fotografie kann Coachingprozesse begleiten

Es wird deutlich, dass im Coaching unterschiedliche Fragestellungen und Zielsetzungen Anknüpfungspunkte für Fotografie bieten.

In der Vergangenheit habe ich beispielsweise mit Menschen gearbeitet, die sich selbst wahrnehmen und „sehen“ wollten, aber auch im Karrierecoaching, als Ice-Breaker oder zur Analyse des Selbstbildes setze ich regelmäßig Fotografie ein.

Gerne unterstütze ich interessierte Kollegen und Kolleginnen, die dieses Medium in ihrer Arbeit integrieren wollen.

Weniger ist mehr…

Beim Einsatz von Fotografie im Coaching geht es nicht um die perfekte Technik, sondern um Stimmungen, Emotionen und darum, einfach einmal etwas auszuprobieren.

An dieser Stelle kann ich natürlich keine Fotos aus der Arbeit mit Klienten zeigen, da diese vertraulich sind. Wer jedoch ein Gefühl für meine Art der Fotografie bekommen möchte, ist herzlich eingeladen, sich auf meinem Foto-Blog www.jolie-photographie.de inspirieren zu lassen.

Hinweis

Von der psylife-Redaktion wurde ich eingeladen, diesen Artikel ebenfalls im Online-Magazin für Psychotherapeuten, Berater und Coaches zu veröffentlichen. Herzlichen Dank für die Möglichkeit, mein Herzensthema dadurch mit einer breiteren Öffentlichkeit zu teilen.

Literaturempfehlungen